Wie das LEGO® Kolosseum entstand

Wie ein LEGO® Set entsteht,  erklärt am Beispiel des LEGO® Kolosseum

Wenn es um die Schöpfung und Entstehung neuer LEGO® Sets geht, möchten wir die Gelegenheit nutzen, um mit den (ziemlich) aus der Luft gegriffenen Gerüchten aufzuräumen, dass LEGO® Sets einem magischen Prozess entspringen – zu dem angeblich Alchemie, Hexenkessel und Gruppengesänge gehören.

Die Wahrheit ist eigentlich viel lustiger und spannender.

Um mehr über den *tatsächlichen* Designprozess zu erfahren, sprachen wir mit Rok Zgalin Kobe, einem Senior Designer von LEGO Architecture.

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Kolosseum

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Jedes Set und jede Themenwelt von LEGO hat einen ganz eigenen Gestaltungs- und Entstehungsprozess. Da aber Rok das Team hinter dem größten LEGO Set aller Zeiten – dem vor kurzem veröffentlichten LEGO Kolosseum – leitet, hielten wir es für eine gute Idee, sich auf dieses außergewöhnliche Modell zu konzentrieren. Alle Wege führen nach Rom, heißt es.

Phase 1: Die Ursprünge

Man könnte quasi sagen, dass es Rok vorherbestimmt war, eines Tages das LEGO Kolosseum zu erschaffen. Als Kind kletterte er auf den römischen Ruinen von Emona herum, die in seiner Heimatstadt Ljubljana in Slowenien stehen. Jahre später – das war in Rom – wählten er und seine schwangere Freundin den Namen Rem für ihren Sohn, nach dem römischen Stadtgründer Remus.

Also war Rok die Triebkraft hinter der Idee, ein LEGO Kolosseum zu kreieren? Naja …

„Das wäre schon reichlich egozentrisch“, meint Rok dazu. „Das ist doch eigentlich eine Idee, die die halbe Welt an meiner Stelle gehabt haben könnte!“

Rok Zgalin Kobe, Senior Designer bei LEGO Architecture

Rok verrät, dass bei LEGO Architecture eine Liste der großartigsten Bauwerke aller Zeiten geführt wird. Das macht die Herausgabe künftiger Architekturmodelle vorhersehbarer als die Themenwelten, die ja oft auf Trends in der Populärkultur beruhen, beispielweise neuen Filmen.

„Das Kolosseum war schon immer weit oben auf unserer Prioritätenliste. Seit 2012 hatte ich mich an verschiedenen Maßstäben versucht, aber es war schwer, den monumentalen Ausmaßen dieses Bauwerks gerecht zu werden.“

Was hat sich seither verändert?

„Wir bekamen grünes Licht dafür, alles auszuprobieren, was man für ein schönes Kolosseum-Modell braucht.“ Die Designer müssen normalerweise schon zu Projektbeginn den etwaigen Verkaufspreis festlegen. Jetzt durfte Rok aber „ausprobieren, wie die optimale Umsetzung aussehen könnte, ohne sich dabei vom Preis einschränken zu lassen.“

Phase 2: Das Konzept

Der nächste Schritt bestand in der Präsentation auf einem internen Auswahl-Event bei LEGO. Diese Auswahl-Events werden in bestimmten Monaten abgehalten und geben den verschiedenen Projektteams Gelegenheit, ihre neuesten Prototypen intern vorzustellen. Der erste Auswahlvorgang wird auch als Konzeptphase bezeichnet.

Nach den ersten Gesprächen über das neue Kolosseum im Februar 2019 machte sich Rok daran, ein Konzeptmodell zu erstellen, das aus einer „zweidimensionalen Außenfassade des Kolosseums bestand … einen Stein dick, nur als Silhouette. Doch der Maßstab des Modells ist seitdem unverändert geblieben.“

Konzeptmodell vom Kolosseum
Diese schlichten, „freistehenden Bogenmauern auf einem Brett“ reichten aus, um „den Traum zu verkaufen“, wie Rok es ausdrückt. Das Modell wurde in die nächste Stufe des Auswahlprozesses durchgewunken: die Entwicklungsphase.

Phase 3: Die Entwicklung

So gern wir auch einfach unsere Konzepte gegenseitig bewundern, braucht es doch einiges an Entwicklungszeit, um ein neues Modell voranzutreiben.

Beim Kolosseum erfolgte die Entwicklung des Bausatzes unter den Fittichen eines neuen Designers. Rok war nämlich schon für die Arbeit an einem anderen Konzept gebucht und übergab den Stab nun an Mike Psiaki – dem Rok zuschreibt, dass er „echt gut mit ungewöhnlichen Geometrien umgehen“ kann.

Mike baute das zweite Modell in „erstaunlich kurzer Zeit für einen Bausatz dieser Größe“. Es wurde auf einem weiteren internen Auswahl-Event präsentiert, bevor Rok die Arbeit an der Endversion übernahm.

Phase 4: Das Briefing

Nachdem Rok das Modell von Mike übernommen hatte, blieb ihm nur ein Monat, um den Marktpreis dafür zu bestimmen – etwas, was Rok als eine der schwierigsten Aufgaben bei diesem Projekt bezeichnet. Intern nennen wir diesen Vorgang das „Briefing“ – bei dem der Designer die ungefähren Kosten für die Herstellung des Produkts festlegt.

Diese Schätzung ist wichtig, denn an die Vorgabe müssen sich die Designer in allen nachfolgenden Schritten halten, auch wenn der endgültige Bausatz oft ganz anders ausfällt als die Prototypen.

Diese Phase führte überraschenderweise dazu, dass das Set mehr Steine enthält. Der Grund dafür ist, dass Rok nach Wegen suchte, das Produkt günstiger zu machen, indem er „größere, komplexere Elemente durch kleinere, billigere Steine“ ersetzte.

Bald wurde Rok klar, dass wir es hier mit dem größten LEGO Set aller Zeiten zu tun hatten. „Das war gar nicht unser Ziel“, betont Rok. Vielmehr ging es darum, „das beste Kolosseum zu kreieren, das man mit LEGO Steinen bauen kann. Ich war klar der Meinung, dass die verschiedenen dorischen, ionischen und korinthischen Säulenordnungen in der Fassade sichtbar sein sollten. 

Es ist also der Maßstab, der die vielen Steine bedingt.“

Phase 5: Die Endversion

Obwohl das Entwicklungsmodell im Grunde schon wie der endgültige Bausatz aussieht, kann man es oft nicht einfach so bauen.

Bei der Schaffung der Endversion geht es darum, das Set benutzerfreundlich zu machen und mit all den vielen schönen Details auszustatten, die nur ein Meisterdesigner wie Rok beherrscht.

Wegen der schieren Größe arbeitete Rok an vier verschiedenen Teilmodellen, die einzelne Abschnitte des Kolosseums darstellen. Dadurch konnte er Zeit sparen und musste nicht das gesamte Modell auseinanderreißen, nur weil an einer Stelle ein KLEINES Detail ausgetauscht werden musste.

Phase 6: Der Hitzetest

Einer der stressigsten Momente im Leben eines LEGO Designers ist der Augenblick, in dem ein neues Produkt nach Monaten oder gar Jahren harter Arbeit in einen … Industrieofen geschoben wird.

Nein, wir sind jetzt nicht grausam, sondern es gibt einen guten Grund dafür. (Ganz ehrlich.)

Mit dem Hitzetest werden jahrelange Witterungseinflüsse auf die LEGO Elemente simuliert, und diese Prüfung müssen alle im Entstehen begriffenen LEGO Sets erfolgreich bestehen, bevor sie auf dem Markt kommen.

Bei einem Modell dieser Größe war das Testergebnis tatsächlich eine Unbekannte. Um dem Gewicht des Modells gerecht zu werden, designten Rok und sein Team eine spezielle ovale Grundplatte. Sie verleiht dem Kolosseum Stabilität und Flexibilität, verringert die Zahl der festen Verbindungspunkte und – theoretisch – auch das Risiko eines Auseinanderbrechens.

„Doch nur in der Theorie gibt es keinen Unterschied zwischen Theorie und Praxis“, wie Rok sagt. „Mir klopfte das Herz, als Model Coach Charlotte Niedhardt und ich das mittlerweile leicht angegriffene Modell aus dem Industrieofen holten …“ 

Liebe Leserinnen und Leser, es hat geklappt.

Trotzdem waren die Modelle immer noch so groß, dass Roks Arbeitstisch einfach zu klein war. Er musste sich also einen neuen Platz im Atrium des Innovation House in Billund suchen und dort die Fragen aller Projektmanager, Designer und Marketingleute beantworten, die mehr oder weniger zufällig vorbeikamen.

Phase 7: Die Bauanleitungen

Durch das gute Gefühl gestärkt, dass ihre Träume im Ofen nicht in Rauch aufgegangen waren, machten sich Rok und Charlotte daran, das Modell so zu gestalten, dass es für jeden nachbaubar war. Dabei stand ihnen der Bauanleitungsexperte Martin Højen Holm Buk zur Seite, der selbst für die kniffligsten Probleme eine Lösung fand.

„Wir haben kontinuierlich zusammengearbeitet, um sicherzustellen, dass wir nichts designen, was sich mit der Bauanleitung nicht realisieren lässt“, erinnert sich Rok. „Damit das Bauerlebnis selbst nicht zu verwirrend wird, ist es bei LEGO Bauten wichtig, dass alles in einer logischen Reihenfolge geschieht.“

Phase 8: Das Ergebnis

Das finale Qualitätsmeeting fand im August 2019 statt – knapp ein halbes Jahr nach den ersten Gesprächen über das Projekt. War denn diese Zeitspanne länger als bei anderen Projekten, an denen Rok gearbeitet hat? Schließlich handelte es sich ja um das bis dato größte LEGO Set aller Zeiten.

„Die Deadline unterschied sich nicht nennenswert von anderen LEGO Designprojekten, allerdings habe ich zwischendurch nicht an allzu vielen anderen Projekten arbeiten können. Obwohl das Kolosseum viermal so groß war wie mein vorheriges größtes LEGO Set, hatte ich leider nicht viermal so viel Zeit zur Verfügung!“

Es dauerte über ein Jahr, bis das Set im November 2020 veröffentlicht wurde. In dieser Zeit arbeitete Rok meistens an anderen Projekten.

„Es ist schon toll, sich an die erste Vorstellung des Modells zu erinnern“, sagt Rok. „Alle sind total aufgeregt wegen des Kolosseums, und du bist in Gedanken schon ein Jahr in der Zukunft.“

Und das, liebe Lesende, ist im Großen und Ganzen die Art, wie ein LEGO Set gemacht wird. Okay, wir haben einige Zwischenschritte ausgelassen, aber man muss auch ein paar Geheimnisse bewahren können … Wo ist eigentlich der Hexenkessel hin?

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