Nupur

Ich bin Senior Application Engineer bei der LEGO® Gruppe in London und arbeite im „Digital Shopper Technology Team“, das für das Online-Shopping-Erlebnis auf LEGO.com verantwortlich ist.
Nupur Grove

Gibt es Menschen oder Situationen in deinem Berufsleben, die dich besonders unterstützt oder inspiriert haben?
Vor ein paar Jahren gab es eine Situation, die ich nie vergessen werde. Ich hatte gerade meinen ersten Job als Senior Engineer bekommen und fühlte mich als Hochstaplerin, weil ich das Gefühl hatte, nicht erfahren genug zu sein für diese Rolle. Eines Tages vertraute ich beim Mittagessen diese Unsicherheit einer meiner Kolleginnen an, die klipp und klar erwiderte: „Wenn du Senior Engineer sein willst, musst du anfangen, dich als Senior Engineer zu sehen“. Dieser simple Rat hat mein Leben verändert, und seither habe ich einen völlig anderen Blick auf meine Fähigkeiten und die Art und Weise, wie ich an meine tägliche Arbeit herangehe. Diese Erfahrung hat mir auch gezeigt, wie wertvoll es ist, Verbündete am Arbeitsplatz zu haben, und dass man sehr lange an einer kleinen Ermunterung zehren kann.

Welche Vorurteile sind dir auf deinem bisherigen Karriereweg begegnet, und wie hast du sie bewältigt?
Das Ding ist, Vorurteile − oder zumindest solche, mit denen ich konfrontiert war – können sehr subtil sein. Du kannst dir leicht einreden, dass eine bestimmte Aussage keine große Sache ist, und du kannst es auf die Konditionierung schieben. Ein häufiges Vorurteil, das ich unter Softwareentwicklern erlebt habe, ist, dass sie einem bestimmten Bild entsprechen sollen − auf Popkultur stehen, Videospiele zocken, nerdige Science-Fiction-Filme schauen usw. Mir wurde mehr als einmal gesagt, ich sei „gar keine richtige Entwicklerin“, weil ich keine Videogames spiele und weil ich „Star Wars“ nicht gesehen habe. Diese Kommentare waren wahrscheinlich scherzhaft gemeint, aber stellt euch vor, dass die gleichen Leute Bewerbungsgespräche mit Kandidaten führen, die nicht in dieses Schema passen. Es kann so schnell passieren, dass diese unbewusste Voreingenommenheit z. B. den Entscheidungsprozess beeinflusst. Ich habe festgestellt, dass die einzige Möglichkeit, diese Vorurteile zu überwinden, darin besteht, mich weiterzubilden und Leute, die ihre Vorurteile offen zur Schau stellen, konsequent zu hinterfragen.

Nupur Grove

Hast du im Zuge der COVID-19-Pandemie etwas Unerwartetes gelernt, und welchen Rat würdest du anderen Frauen geben?
Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich mal meine morgendliche Pendelei zur Arbeit vermissen würde! Mir wurde klar, wie wichtig diese Zeit für meine geistige und körperliche Gesundheit war. Selbst an arbeitsintensiven Tagen konnte ich mich darauf verlassen, auf dem Weg von und zur U-Bahn-Station ein bisschen dringend benötigte Bewegung zu bekommen. Und die Fahrt selbst gab mir die Zeit, meine Gedanken zu sortieren und in den „Arbeitsmodus“ zu schalten.

Was würdest du der aktuellen Generation von Mädchen raten, um ihnen zu helfen, ihre Ziele/Wunschkarriere/Träume zu verwirklichen?
Fragt euch immer wieder „warum“. Als Kinder machen wir das auf ganz natürliche Weise, aber wenn wir erwachsen werden, hören wir tendenziell damit auf. Auch hier spielt die Konditionierung eine große Rolle, besonders bei Mädchen. Aber wenn ihr erst einmal wisst, was ihr erreichen wollt, dann lasst euch nicht vom „Status quo“ davon abhalten, an euer Ziel zu gelangen. Hört nicht auf, die Dinge zu hinterfragen, und ihr werdet überrascht sein, wie einfach es ist, dorthin zu kommen, wo ihr hinwollt.