Nicole

Ich bin Senior Director Kids Engagement und leite das digitale Engagement-Portfolio für Kinder, darunter die LEGO® Life App, LEGO.com/kids, LEGO TV und das LEGO Magazin. Ich lebe und arbeite in Billund, Dänemark.
Nicole

Gibt es Menschen oder Situationen in deinem Berufsleben, die dich besonders unterstützt oder inspiriert haben?
Ich fühle mich in dieser Hinsicht wirklich gesegnet. Während meiner gesamten beruflichen Laufbahn hatte ich in allen entscheidenden Momenten tolle Mentorinnen, die mir unter die Arme griffen. Ein Beispiel: Als ich frisch aus der Ausbildung kam, gab es in meinem ersten Job als Assistentin diese Frau – eine preisgekrönte Redakteurin, wie ich später erfuhr −, die mich aus der Masse als ihre Assistentin herausgepickt hat. Sie war sehr streng mit mir, ertrug geduldig meine Unreife und brachte mir wertvolle Fähigkeiten bei, die ich bis heute anwende. Eines der wichtigsten Dinge war, dass sie mir Anerkennung für meine Arbeit entgegenbrachte, was mir half, schnell von der Assistentin zur Redakteurin aufzusteigen. Diese scheinbar unbedeutende Geste war ein entscheidender Schritt auf meiner bisherigen beruflichen Reise. Hätte meine Chefin dies nicht getan, wäre es meiner Ansicht nach viel schwieriger gewesen, in diesem Umfeld Erfolg zu haben und voranzukommen, weil es eine absolute Männerdomäne ist.

Welche Vorurteile sind dir auf deinem bisherigen Karriereweg begegnet, und wie hast du sie bewältigt?
Natürlich habe ich während meiner gesamten beruflichen Laufbahn Vorurteile erlebt. Ich bin eine Frau, dunkelhäutig, queer, komme ursprünglich aus einem Entwicklungsland − Trinidad und Tobago − und habe auch noch Locken. Wir alle haben und erleben Vorurteile. Ich bin mir wahrscheinlicher Vorurteile gegen mich bewusst, aber ich lasse mich davon nicht aufhalten. Es liegt in meiner Natur, die Dinge zur Kenntnis zu nehmen und einfach weiterzumachen. Meine Karriere begann in der Film- und Fernsehbranche, und ich habe gespürt, wie über mir eine „Gläserne Decke“ mit einem Rahmen aus Vorurteilen schwebte, weil ich in dieser von Männern dominierten Branche Produzentin werden wollte. Es gab subtile und weniger subtile Merkzettel, dass ich nicht Teil des „Männerclubs“ war. Ich erinnere mich an einen Moment auf einer Konferenz, als ich in einem Raum mit über 300 Leuten nur eine oder zwei andere dunkelhäutige Frauen bemerkte, das war schon ein bisschen entmutigend. Die Kraft, voranzukommen, verdanke ich meiner Familie, meinen Eltern, meinen Tanten, meinen Cousins und Cousinen. Und der Tatsache, dass ich auf einer Insel in der Karibik aufgewachsen bin, wo man mich darin bestärkt hat, dass ich alles tun und alles sein kann, was ich will. Außerdem hatte ich das Glück, Mentorinnen zu haben − Frauen, die mich in Schlüsselmomenten, in denen mir alles zu viel wurde, wie Engel unter ihre Fittiche nahmen. Ich habe auch erkannt, dass es wichtig ist, wo man arbeitet. Wenn ich wählen müsste, würde ich mich für Situationen oder Unternehmen entscheiden, die eine diskriminierungsfreie und integrative Kultur pflegen. Als ich bei der LEGO® Gruppe anfing, haben das klare Ziel, der Wunsch und der Ruf des Unternehmens, einen integrativen Arbeitsplatz zu fördern, meine Stellenwahl entscheidend beeinflusst.

Nicole

Hast du im Zuge der COVID-19-Pandemie etwas Unerwartetes gelernt, und welchen Rat würdest du anderen Frauen geben?
Meine wichtigste Erkenntnis ist, dass unterschiedliche Arten von Arbeit je nach Szenario mehr oder weniger gut fruchten. Für aufgabenorientierte Projekte sind Videokonferenzen sehr effizient, aber Zusammenarbeit per Video ist herausfordernd, ermüdend und dauert länger als in einer Gruppe, vor Ort, mit einem Whiteboard, Klebezetteln und einer Kanne gutem Kaffee. Und mein Rat ist: Seid anpassungsfähig und geht behutsam mit eurem Team und euch selbst um. Passt eure Arbeitsweise an, um gesund zu bleiben, und akzeptiert die Einschränkungen, denn das hier ist ein Marathon, kein Sprint. Und die Situation wird auf absehbare Zeit für die meisten von uns eine Herausforderung bleiben.

Was würdest du der aktuellen Generation von Mädchen raten, um ihnen zu helfen, ihre Ziele/Wunschkarriere/Träume zu verwirklichen?
Mir ist aufgefallen, dass immer mehr junge Frauen dazu stehen, wer und was sie wirklich sind, und sagen: „So bin ich“. Wenn ich meinem jungen Ich einen Rat geben könnte, dann wäre es der, keine Energie mit dem Versuch zu verschwenden, der Norm zu entsprechen, denn man hat nur ein begrenztes Maß an Zeit und Energie zur Verfügung. Und – das mag jetzt wie ein Klischee klingen, aber ich glaube wirklich daran −, dass du trotz aller Vorurteile, die dir im Leben begegnen, keine Angst haben solltest, einfach du selbst zu sein. Manchmal haben die Menschen Angst, ihre ganze Persönlichkeit in ihre Arbeit einzubringen, vielleicht weil sie fürchten, ihren Job zu verlieren oder mit Konflikten umzugehen. In solchen Fällen solltest du überlegen, ob du wirklich an einem Ort arbeiten willst, an dem du nicht zu 100 % du selbst sein kannst.