Monika

Ich leite das globale „Consumer and Shopper Engagement Team“ − eine tolle internationale Abteilung mit rund 650 Mitarbeiter*innen, die mit Familien und Kindern auf der ganzen Welt im Dialog stehen, ihre Fragen beantworten, sich mit ihnen über soziale Medien austauschen und ihnen über verschiedene Kontaktstellen hinweg Services anbieten. Es kommt schon mal vor, dass wir einer 7-Jährigen schreiben, um ihr zu erklären, wie man LEGO® Designerin wird. Ich bin in Slough in Großbritannien ansässig.
Nicole

Gibt es Menschen oder Situationen in deinem Berufsleben, die dich besonders unterstützt oder inspiriert haben?
Ich hatte im Laufe meiner Karriere viele tolle weibliche (und auch einige tolle männliche) Führungskräfte. Diese Leute haben mich wirklich inspiriert, und wie man es bei Vorbildern eben so macht, habe ich mir verschiedene Dinge von verschiedenen Frauen abgeschaut und für mich adaptiert. Ich erinnere mich an eine eher ruhige, zurückhaltende weibliche Führungskraft, die sich in Meetings ruhig und besonnen durchsetzte, indem sie sich nicht unterbrechen ließ. Ich habe mir aufgeschrieben, wie sie das gemacht hat, um es nicht zu vergessen. Es hat mir auch viel Freude gemacht, mit Frauen zusammenzuarbeiten, Frauen-Netzwerke aufzubauen und in Männern Verbündete zu finden. Ich finde, die Atmosphäre in Teams ist positiver und integrativer, wenn eine ausgewogene Geschlechterbalance herrscht und wenn die Führungskraft integratives Verhalten vorlebt.

Welche Vorurteile sind dir auf deinem bisherigen Karriereweg begegnet, und wie hast du sie bewältigt?
Am Anfang meiner Karriere war ich Business-Ansprechpartnerin bei einem IT-Projekt und arbeitete mit einem Team, das fast nur aus Männern bestand. In einem Meeting, bei dem ich nicht dabei war, wurden Bedenken, die ich über den Fortschritt des Projekts geäußert hatte, mit den Worten „Ach wissen Sie, Monika ist ziemlich emotional“ abgetan. Das hat mich wirklich getroffen, denn ich hatte ein solides Argument vorgebracht und hatte das Gefühl, als Mann wäre meine Sicht nicht so abgekanzelt worden. Dieses Gefühl, aufgrund meines Geschlechts „gebrandmarkt“ oder stereotypisiert zu werden, fühlte sich extrem unfair an, als würde mir die Handlungsfähigkeit abgesprochen. Als ich jünger war, habe ich wahrscheinlich überkompensiert, indem ich z. B. versucht habe, in Meetings besonders sachlich und analytisch zu sein, damit ich nicht wieder als „emotional“ abgetan werde. Ich habe darauf geachtet, was ich sage, und kam dadurch vielleicht sogar ein bisschen harsch rüber. Ganz allgemein erinnere ich mich an viele Situationen, in denen ich es schwer hatte, mich in von Männern dominierte Teams einzufügen. Meine Meinung war gefragt, wenn es um menschliche und „softere” Themen ging, und man nahm einfach an, dass ich nicht viel über Budgets oder Finanzen weiß (was nicht stimmt). Was mir geholfen hat, meinen eigenen Weg zu finden, war zu sehen, dass andere Frauen erfolgreich sind, ohne sich zu verstellen. Es hat mir auch geholfen, Verbündete zu finden und positives Feedback von Leuten zu bekommen, deren Meinung ich schätze, aber auch eine dickere Haut zu entwickeln und sich weniger Gedanken darüber zu machen, was andere denken. Im Laufe der Jahre hat all das dazu beigetragen, mein Selbstvertrauen zu festigen, und hat mich darin bestärkt, mir bei der Arbeit selbst treu zu bleiben und Dinge, die ich beeinflussen kann, zu verändern.

Monika

Hast du im Zuge der COVID-19-Pandemie etwas Unerwartetes gelernt, und welchen Rat würdest du anderen Frauen geben?
In meiner Abteilung haben wir den Online-Shopping-Boom unmittelbar zu spüren bekommen, und wir mussten die Teamstärke rasant verdoppeln. Ich habe viel über Teamarbeit gelernt und wie man sich gegenseitig den Rücken stärkt. Neben der virtuellen Arbeit habe ich vor allem gelernt, dass es für uns überlebenswichtig ist, einen sicheren Raum für das Team zu schaffen, in dem sich jeder wohlfühlt. Dieser Spielplatz ist kein nettes Extra, sondern die wichtigste Grundlage überhaupt, um in einer Achterbahn der Veränderung auf Erfolgskurs zu bleiben. Wir haben alle in den Wohnzimmern der anderen gearbeitet und in einem nie da gewesenen Maße Einblicke in deren Leben bekommen. Der einzige Weg, das durchzuziehen, war, zu wissen, wer man ist und sich darin sicher zu fühlen. Es wäre viel zu stressig gewesen, eine Barriere zwischen dem privaten und dem beruflichen Ich zu errichten. Mein Rat − nicht nur für Frauen − ist, diese Lernkurve wirklich zu nutzen. Und für uns als Team wünsche ich mir, dass wir uns die sicheren Räume und die Authentizität bewahren, die uns durch das Jahr 2020 hindurch geholfen haben, uns gegenseitig zu unterstützen.

Was würdest du der aktuellen Generation von Mädchen raten, um ihnen zu helfen, ihre Ziele/Wunschkarriere/Träume zu verwirklichen?
Steht als Mädchen füreinander ein und macht euch gegenseitig Komplimente für Fachwissen, Kreativität und kluge Beiträge (ein Kompliment für ein tolles Outfit ist natürlich auch nicht fehl am Platz, aber zweitrangig). Unterstützt euch gegenseitig dabei, euer Selbstvertrauen zu stärken. Außerdem solltet ihr darüber nachdenken, was euch im Leben wirklich wichtig ist und was euch antreibt – denn das wird euch helfen, auch in schwierigen Zeiten weiter an eure Träume zu glauben. Entschuldigt euch weniger oft, seid laut, macht euch nicht klein und verschafft euch Gehör! Ihr seid großartig − genau so, wie ihr seid.