Carol

Ich leite ein globales Team talentierter Mitarbeiter*innen im Bereich „Marketing Planning and Media Management“. Wir sind verantwortlich für die Entwicklung von Strategien und Plänen zur Umsetzung unserer Marketingaktivitäten über verschiedene Kanäle hinweg. Ich selbst bin in Enfield im US-Bundesstaat Connecticut ansässig, während mein Team im dänischen Billund und in London sitzt.
Carol

Gibt es Menschen oder Situationen in deinem Berufsleben, die dich besonders unterstützt oder inspiriert haben?
Ein ehemaliger Kollege hat mir beigebracht, meine berufliche Laufbahn nach dem Prinzip „lernen, verdienen, zurückgeben“ zu gestalten. Das bedeutet, am Anfang deiner Karriere sammelst du Erfahrung; suche dir zahlreiche Möglichkeiten, um so viel wie möglich zu lernen, von möglichst vielen Personen. Das hilft dir, herauszufinden, was dir in puncto Beruf oder Führungsstil gefällt und was nicht. Es schafft aber auch eine solide Basis, auf der du dein ganzes Arbeitsleben lang aufbauen kannst. Als Nächstes solltest du deine Fähigkeiten und deine Erfahrung mit einer angemessenen Vergütung honorieren lassen. Verkaufe dich nicht unter Wert, sondern sei dir stets bewusst, was du und deine Erfahrung wert sind. Aber Beförderungen und Gehaltserhöhungen sind nicht das ultimative Ziel: Du musst auch etwas „zurückgeben“, indem du anderen hilfst, ob Berufsanfänger oder Personen, die bereits mit beiden Beinen im Berufsleben stehen. Du solltest nicht nur an deine eigene Karriere denken, sondern auch an andere, die du auf ihrem Weg begleiten und anleiten kannst.  

Welche Vorurteile sind dir auf deinem bisherigen Karriereweg begegnet, und wie hast du sie bewältigt?
Vorurteile begegnen einem in unterschiedlichster Form. Der Großteil der Vorurteile, die mich persönlich betreffen, hat mit meiner ethnischen Herkunft zu tun. Ich wurde auf den Philippinen geboren, die als Exportland für Pflegekräfte, Betreuer*innen und Haushaltshilfen bekannt sind (allesamt sehr wertvolle und angesehene Berufe, wohlgemerkt, gerade jetzt, während der Pandemie). Diese Tatsache hat den Stereotyp begünstigt, dass Filipinas ausschließlich diesen Berufszweigen nachgehen. Das zeigt sich auch in der langwierigen Befragung bei der Einwanderungsbehörde („Können Sie glaubhaft nachweisen, wo Sie arbeiten?“) oder in Sätzen wie „Oh, unsere Putzhilfe stammt auch von den Philippinen, kennen Sie sie?“. Es kann auch vorkommen, dass man gebeten wird, Notizen zu machen oder Kaffee oder Tee zu kochen. Es herrscht also eine vorgefertigte Meinung darüber, welche Art von Arbeiten ich verrichte und was meine Fähigkeiten sind. Für mich sind diese Vorurteile eine Herausforderung, die es zu überwinden gilt. Ich reagiere nicht defensiv oder gekränkt. Stattdessen stehe ich über dem Ganzen und versuche, mich durchzusetzen und zu zeigen, was ich draufhabe. Um so die landläufige Meinung über mich − und hoffentlich über weibliche Berufstätige und Filipinas im Allgemeinen − zu ändern.

Carol

Hast du im Zuge der COVID-19-Pandemie etwas Unerwartetes gelernt, und welchen Rat würdest du anderen Frauen geben?
Ich hatte das Glück, immer Unterstützung zu finden, sowohl in beruflicher als auch in persönlicher Hinsicht. Die LEGO® Gruppe leistet großartige Arbeit darin, sich um ihre Mitarbeiter*innen auf der ganzen Welt zu kümmern, mit Hilfsangeboten und flexiblen Arbeitszeiten. Auch meine Familie hat sich mit der ganzen Homeoffice-/Homeschooling-Situation gut arrangiert. Zugegeben, die verwischten Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben sowie das Gefühl der Isolation haben trotz allem mein Wohlbefinden beeinträchtigt. Selbstfürsorge, der ich zuvor − in meiner Unwissenheit − keinerlei Bedeutung beigemessen hatte, ist für mich zur Priorität geworden. Dazu gehört auch, mir Zeit für mich zu nehmen. Zum Beispiel habe ich mir TV-Marathons mit seichten koreanischen Filmen gegönnt und mir einen Heimtrainer zugelegt, der es mir erlaubt, für ein paar Minuten abzuschalten. Ich habe festgestellt, dass mir das ungemein geholfen hat. Selbstfürsorge bedeutet nicht, egoistisch zu sein. Es geht darum, sich um sich selbst zu kümmern, um sicherzustellen, dass man sich um andere kümmern kann. Die Redewendung „Man kann nicht aus einer leeren Schale gießen“ trifft gerade während der Pandemie für Frauen mehr denn je zu, da ein Großteil der weiblichen Erwerbstätigen zusätzlich die Verantwortung für die Kinderbetreuung und das Homeschooling trägt.

Was würdest du der aktuellen Generation von Mädchen raten, um ihnen zu helfen, ihre Ziele/Wunschkarriere/Träume zu verwirklichen?
„Verfolgt große Träume und lasst euch von nichts und niemandem aufhalten“. Lasst euch von niemandem eine bestimmte Denkweise eintrichtern. Lasst euch nicht von Ängsten oder Vorurteilen davon abhalten, eure hoch gesteckten Ziele zu verfolgen.