Krista

LEGO® ist das perfekte Gestaltungsmedium für mich, weil ich sehr haptisch veranlagt bin und ein ausgeprägtes räumliches Vorstellungsvermögen besitze. Als Teil meiner Achtsamkeitsübung richte ich meine Aufmerksamkeit darauf, wie sich die unterschiedlichen Elemente der LEGO® Teile anfühlen und zusammenfügen lassen. Auch der problemlösende Aspekt von LEGO® gefällt mir sehr – egal, ob es darum geht, eine spezielle Verbindung auf engem Raum zu konstruieren oder mit LEGO® Steinen einen besonderen Winkel oder eine geschwungene Form zu erschaffen. LEGO® ist auch in kreativer Hinsicht toll für mich, weil ich beim Bauen ganz flexibel agieren kann. Ich fange an, und wenn es nicht so aussieht, wie ich es mir vorgestellt habe, dann kann ich einfach ein paar Steine entfernen und etwas anderes ausprobieren. Ich mag den sich wiederholenden Prozess des Bauens, und dass ich dabei immer wieder neue Verbindungen und Techniken entdecke.
Krista

Wie hat dich das Bauen mit LEGO® als Mensch verändert?
Bei uns zu Hause gehörten alle LEGO® Sachen meinem Bruder, aber ich habe auch sehr gerne damit gespielt. Ich habe viele kleine LEGO® Städte für meine Matchbox-Autos gebaut. Und ich glaube, das ist auch einer der Gründe, warum ich anfing, mich für Geografie zu interessieren, was später zum Schwerpunkt meiner beiden Studienabschlüsse wurde. Während meines Bachelorstudiums hat mir LEGO® geholfen, besser mit dem Uni-Stress umzugehen, und ich baute wieder kleine Städte im Matchbox-Auto-Maßstab. Nach meinem Studium konzentrierte ich mich dann voll auf meine berufliche Karriere und fasste meine LEGO® Steine über zehn Jahre lang nicht mehr an. In dieser Zeit hatte ich immer mehr mit psychischen Problemen zu kämpfen. Einige Jahre, nachdem ich meine Partnerin kennengelernt hatte, überraschte sie mich mit Karten für die „BrickCan Adult LEGO® Fan Convention“ in Vancouver. Ich hatte keine Ahnung, dass es dort eine LEGO® Fangemeinde für Erwachsene gab, und ich freute mich darauf, mich wieder mit LEGO® zu beschäftigen. LEGO® spielt für meine psychische Gesundheit inzwischen eine extrem wichtige Rolle und ist das, womit ich mich bei meinen Achtsamkeitsübungen am liebsten beschäftige.

Gibt es Menschen oder Situationen in deinem Berufsleben, die dich besonders unterstützt oder inspiriert haben?
Als meine Partnerin mich 2016 mit Karten für die „BrickCan Adult LEGO Fan Convention“ in Vancouver überraschte, gab es für mich kein Halten mehr: Ich stürzte mich kopfüber ins LEGO® Hobby!

Zu dem Zeitpunkt wusste ich nicht einmal, was ein AFOL ist, geschweige denn, dass es dort eine AFOL-Community gab. Aber ich wollte die „BrickCan“ auf jeden Fall in vollen Zügen genießen, also hatte ich mir vorgenommen, ein paar Eigenbauten („My Own Creations“, kurz MOCs) in der öffentlichen Ausstellung zu zeigen. Ich besaß zu dem Zeitpunkt nicht viel LEGO®, aber schaffte es trotzdem, drei MOCs zu bauen – einen Ford Woody von 1948, den legendären holzvertäfelten Wagen von Ford (Model Team), das Orpheum Theatre von Vancouver (im Minifiguren-Maßstab) und ein paar Micropolis-Module. Wenn man einer neuen Gruppe oder einem Sportverein beitritt, fühlt man sich anfangs meist etwas eingeschüchtert, und bei der LEGO® Community war das nicht anders. Als ich meine Micropolis-Module in der Ausstellung bei den anderen Modellen abstellen wollte, war ich schon ein bisschen nervös, aber ich wurde mit großer Begeisterung von Adam Dodge begrüßt. Adam ist ein ganz toller Repräsentant der LEGO® Community, und meine erste Begegnung mit dieser Gemeinschaft fiel dank ihm sehr positiv aus. Er zeigte Interesse an meinen MOCs, beantwortete meine Fragen und stärkte mein Selbstvertrauen als LEGO® Baumeisterin. Adam war der erste AFOL, den ich kennenlernte. Er beeindruckte mich sehr und beeinflusste meine Sichtweise auf mein neues Abenteuer in der Welt von LEGO®. Obwohl ich bei der „BrickCan“ noch ein absoluter Neuling war und nicht wusste, ob ich hineinpassen würde, hatte ich durch die Unterstützung von Adam, dem „BrickCan“-Team und den anderen AFOL-Teilnehmer*innen Lust bekommen, Teil dieser Community zu werden. Noch bevor das Wochenende vorbei war, gründeten meine Partnerin und ich zusammen mit einem weiteren AFOL aus unserer Gegend unsere LUG, die MILUG. Zur Krönung dieses unglaublichen Erlebnisses erhielt ich auf der „BrickCan“ für meinen 1948er Ford Woody den Preis für „Best Classic“ in der Kategorie „Model Team“.

Nach meinem Erlebnis auf der „BrickCan“ wusste ich, dass ich eine Gemeinschaft gefunden hatte, in der ich mich wohlfühlte, und ich freute mich darauf, andere Veranstaltungen für erwachsene Fans zu besuchen. Später im selben Jahr nahm ich an der „BrickCon“ in Seattle teil und erfuhr erneut unglaubliche Unterstützung durch andere AFOLs, besonders durch Lino Martins. Die beiden Veranstaltungsorte liegen nicht weit voneinander entfernt, und doch vermittelt die „BrickCan“ mit ihrer eher privaten, familiären Atmosphäre ein völlig anderes Erlebnis als die „BrickCon“, die eine größere Community anspricht. Entsprechend nervös war ich daher, als ich den Ausstellungsbereich für „Model Team“ betrat, wo Lino, der Koordinator, sich absolut begeistert darüber zeigte, einen neuen und noch dazu weiblichen AFOL mit MOC anzutreffen! Lino war sehr offen und herzlich und, ähnlich wie Adam, stärkte er mein Selbstvertrauen in meine LEGO® Fähigkeiten. Als Kind fand ich Matchbox-Autos toll, und ich hatte schon immer LEGO® Fahrzeuge im Großformat bauen wollen. Das ist allerdings ein Thema, an das sich nur wenige Frauen heranwagen. Durch Linos Ermutigung und meinen dritten Platz in der Kategorie „Model Team“ (bei dieser doch sehr großen Veranstaltung) erkannte ich, dass ich als Frau in dieser Kategorie gut aufgehoben sein würde.

Krista

Welche Vorurteile sind dir auf deinem bisherigen Karriereweg begegnet, und wie hast du sie bewältigt?
Ich bin erst seit ungefähr sechs Jahren ein AFOL, und obwohl meine persönlichen Erfahrungen bisher recht positiv waren, gilt LEGO® doch nach wie vor hauptsächlich als Männerhobby. Das wird besonders in den sozialen Medien sichtbar, wo frauenfeindliche Memes und Kommentare über Frauen keine Seltenheit sind. So eine Umgebung ist für weibliche LEGO® Fans nicht förderlich und verstärkt das Vorurteil, dass LEGO® Männersache sei. Ich habe schon von vielen Frauen gehört, die sich davor scheuen, LEGO® Communitys im Netz oder lokalen LEGO® Benutzergruppen („LEGO® User Groups“, kurz LUGs) beizutreten, oder die aus solchen Gemeinschaften aufgrund der dort grassierenden Frauenfeindlichkeit wieder ausgetreten sind. Meine LUG, die MILUG („Mid Island LEGO® Users Group“, eine LEGO® Gruppe auf Vancouver Island), ist ziemlich einzigartig, da zwei der drei Gründungsmitglieder Frauen sind (meine Partnerin und ich). Die weiblichen Mitglieder in unserer Gruppe sind zwar noch in der Minderheit, aber es war uns immer wichtig, dass sich jeder willkommen fühlt. Wir überlegen immer, wie wir Leuten mit unterschiedlichem Hintergrund einen gemeinsamen Ort zum Austausch bieten können, und wir sprechen regelmäßig über Diversität und Inklusion. Ich bin auch Mitglied bei „Brick Alliance“, einer intersektionalen LEGO® Community, die sich schwerpunktmäßig mit Inklusion, Bildung und Aktivismus im Ökosystem von LEGO® befasst. Mein Ziel ist es, zu einer positiven, unterstützenden und integrativen AFOL-Community beizutragen, in der sich jede*r willkommen fühlt.

Was würdest du der aktuellen Generation von Mädchen raten, um ihnen zu helfen, ihre Ziele/Wunschkarriere/Träume zu verwirklichen?
Ich glaube, das Schwierigste am Jungsein ist, zu wissen, was die eigenen Träume sind. Oft wissen wir, was sich unsere Eltern für uns wünschen, aber wir kennen unsere eigenen Träume nicht. Ich rate euch daher, eure Augen zu schließen und zu überlegen, was euch am meisten Spaß macht. Die Dinge, die euch die meiste Freude bereiten, müssen euch nicht unbedingt zum größten Erfolg führen oder das meiste Geld einbringen, sie sollen euch einfach nur glücklich machen. Erfolg lässt sich völlig unterschiedlich definieren, und sobald wir offen sind für die Möglichkeiten, die wir haben, werden wir erkennen, dass viele Wege zum Erfolg führen. Ich habe in meinem Leben viel Zeit damit verbracht, etwas zu erreichen, was ich für den Gipfel des Erfolgs hielt. Doch dann hat mich der Stress dazu gezwungen, für einige Jahre eine berufliche Auszeit zu nehmen, um mein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Ich erkannte für mich, dass es nicht das Wichtigste ist, ein Ziel zu erreichen, sondern den Weg zum Ziel zu genießen. Denn Ziele können sich verschieben oder auch ganz ändern. Der Weg zum Ziel wird außerdem noch schöner, wenn ihr Leute um euch habt, die euch aufmuntern und anfeuern. Sucht euch solche Menschen und feuert sie im Gegenzug auch an. Sucht euch einen Mentorin und seid dasselbe für andere. Jede*r von uns hat auf allen Etappen seiner oder ihrer Reise etwas zu bieten. Seid mutig und erkennt, wie wertvoll ihr seid. Wenn ihr Angst habt, schließt mal die Augen, atmet tief durch, und macht einen weiteren Schritt nach vorne.