Annie

LEGO® ist als künstlerisches Medium für mich ideal. Als Künstlerin und kreative Schöpferin denke ich mir immer neue Konzepte aus, ständig entstehen Ideen. Oft weiß ich gar nicht wohin mit den ganzen Einfällen, die ich alle umsetzen möchte. Mit LEGO® kann ich meine Ideen in einzelne Bausteine herunterbrechen und meinen Gedanken so Stein für Stein Form verleihen, auf die schönste Art, die’s für mich gibt.
Annie

Wie hat dich das Bauen mit LEGO® als Mensch verändert?
LEGO® hat mich nicht nur als Mensch verändert, es hat mir sogar das Leben gerettet.

Ich habe LEGO® eigentlich erst mit 16 Jahren so richtig für mich entdeckt. Damals saß ich in meinem Krankenhausbett und erholte mich gerade von einem epileptischen Anfall. Die Ärzte rieten mir zu leichter, spielerischer Bewegung der Hände, um die Feinmotorik zu schulen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich völlig hilflos gefühlt. Ich bekam jeden zweiten Tag Krampfanfälle, und mein Körper, mein Geist und meine Seele litten extrem. Ehrlich gesagt, hatte ich die Hoffnung fast aufgegeben, aber diese wunderschönen LEGO® Steine (Harry Potter, um genau zu sein) lösten etwas in mir aus, was ich nicht mehr gespürt hatte, seit ich ein kleines Mädchen war.

Als mir alles genommen wurde, gab mir LEGO® Hoffnung und meinem Leben wieder einen Sinn. Mein ungewisser Zustand bedeutete, dass ich keinen Highschool-Abschluss machen und niemals allein gelassen werden konnte. Mit 16, 17 Jahren ist das ziemlich schwer zu akzeptieren! Aber wenn ich an meinem LEGO® Haus baute, meiner LEGO® Stadt und später an meiner LEGO® Harry-Potter-Welt, dann hatte ich alles unter Kontrolle. LEGO® holte mich aus der Krankheit und entführte mich in eine Welt voller Farbe, Freude, Leichtigkeit und Spaß.

Ich wurde älter und mit der Zeit ging es mir besser, aber LEGO® blieb Teil meines Lebens. Meine Liebe zu LEGO® führte mich schließlich zu meinem ersten echten Job am „LEGO® Education Centre“ in Melbourne. Ich habe so schöne Erinnerungen an die Arbeit mit LEGO® Education und daran, wie ich Hunderte von Schüler*innen in Robotik, Mathe, Naturwissenschaften und Englisch unterrichtete – mit meinem Lieblingsspielzeug. Ich lernte, mit meiner Krankheit umzugehen, wurde unabhängiger und konnte verschiedene Rollen in meiner LEGO® Community übernehmen. Ich engagierte mich stark in meiner LEGO® Gruppe in Melbourne, und heute bin ich Mitglied eines fantastischen Teams, das Australiens „Premier LEGO® Fan Convention“, die „Brickvention“, veranstaltet! Durch LEGO® habe ich wirklich Erstaunliches erlebt. 2020 wurde ich sogar für „LEGO® Masters“ in Australien ausgewählt! Die Möglichkeit, LEGO® auf internationaler Bühne zu repräsentieren, hat mir ein starkes Gefühl der Verbundenheit mit LEGO® und mit meiner erweiterten Community gegeben.

Mein Leben mit LEGO® begann vor 15 Jahren, und ich bin jeden Tag dankbar, im Krankenhaus LEGO® entdeckt zu haben. Ohne diesen Tag hätte es in meinem Leben wahrscheinlich nie wieder richtig „Klick“ gemacht.

Gibt es Menschen oder Situationen in deinem Berufsleben, die dich besonders unterstützt oder inspiriert haben?
Die größte Unterstützung, die ich zu Beginn meines Berufslebens erfahren habe, war die Freiheit, kreativ sein zu können. Auf dem Höhepunkt meiner Krankheit hatte man mich in Watte gepackt, und dieser Schutz behinderte mich (wenn er auch zu meiner Sicherheit und für mein Wohlergehen erforderlich war). Als ich mit meiner Diagnose selbstbewusster umgehen konnte, gewährten mir meine Familie, Lehrerinnen, Freunde, Ärztinnen und meine Community mehr Freiräume. Sie ließen mir Zeit, meine kreativen Ziele zu erreichen, ohne mich dabei zu sehr einzuengen.

Als Erwachsene habe ich mit meiner LEGO® Partnerin Runa bei den „LEGO® Masters“ in Australien eine unglaublich tolle Zusammenarbeit erlebt. Runa und ich sind zwei sehr unterschiedliche Frauen mit einer Leidenschaft (und einer Krankheitsgeschichte), die uns eint. Die Zusammenarbeit mit Runa auf der Bühne der „LEGO® Masters“ lieferte mir ständig neue Inspiration. Wir diskutierten unsere Ideen miteinander, sprachen offen über unsere Konzepte, gingen konstruktiv miteinander um, und unser beiderseitiger Wunsch, mit LEGO® etwas zu erschaffen, wirkte sich sowohl unterstützend als auch inspirierend auf mich aus. Runa ist wie ich neurodivers, und ihre Fähigkeit, persönliche und äußere Vorurteile zu überwinden, um mit mir im Fernsehen aufzutreten, inspirierte mich enorm.

Annie

Welche Vorurteile sind dir auf deinem bisherigen Karriereweg begegnet, und wie hast du sie bewältigt?
In meinem Berufsleben sind mir aufgrund meines Geschlechts, meiner Neurodiversität, meines Alters, meiner psychischen Gesundheit und meiner Epilepsiediagnose schon die unterschiedlichsten Vorurteile begegnet.

Durch Beharrlichkeit und Akzeptanz habe ich gelernt, damit umzugehen.

Dadurch, dass ich in einigen meiner schwierigsten Lebensphasen meine Kreativität gefördert habe, ist mir bewusst geworden, wie wichtig Selbstliebe und Selbstachtung sind. Sie helfen mir, alles zu überwinden, was sich meiner Begeisterung für eine Sache in den Weg stellt. Ich bin für mich kreativ! Und jeder darf gerne an meiner Kunst teilhaben. Ich habe auch gelernt zu akzeptieren, dass ich es nicht jedem recht machen kann, und das ist gut so. Es ist zwar schwierig, die Meinungen anderer nicht persönlich zu nehmen, aber im großen Ganzen spielen sie keine Rolle. Es liegt an dir selbst, zu entscheiden, welche Meinungen für dich zählen.

Was würdest du der aktuellen Generation von Mädchen raten, um ihnen zu helfen, ihre Ziele/Wunschkarriere/Träume zu verwirklichen?
An alle Mädchen, Frauen, Verbündete und jungen Leute da draußen! Zuerst einmal hoffe ich, dass ihr euch selbst treu bleibt. Jeder von euch hat andere Ziele und Träume, und das ist das Besondere daran.

Ich verrate euch einige der wichtigen Mantras, nach denen ich lebe, um meine Ziele und Träume zu verwirklichen.

Schmiedet einen Plan. Ein Plan ist ein flexibles Instrument, das euch dabei hilft, eure Ziele zu erreichen. Einen Plan könnt ihr anpassen und aktualisieren, neue Ziele oder Ideen hinzufügen, Punkte darin komplett ändern oder ihn sogar vollständig verwerfen und einen neuen machen. Ein Plan bündelt eure Ideen und Ziele und liefert euch damit einen hervorragenden Einstiegspunkt.

Nutzt eure praktischen und kreativen Eigenschaften. In unserem Zeitalter der Technologie und Vernetzung ist es wichtig, dass wir unsere kreativen Leidenschaften verfolgen, diese aber gleichzeitig mit praktischen Fähigkeiten und Kenntnissen untermauern. Wir können nur kreativ sein, wenn wir gut auf uns aufpassen. Verfolgt eure Ziele und Träume, und schafft gleichzeitig gute Lebensbedingungen für euch.

Eure Gesundheit hat Priorität, denn euer Leben hängt buchstäblich davon ab. Behandelt eure Gesundheit mit großem Respekt. Seid euch eurer Stärken und Schwächen bewusst, damit ihr so lange wie möglich ein gesundes Leben führen könnt. Als jemand, der einige extrem große gesundheitliche Herausforderungen zu meistern hatte, weiß ich, dass ich auf mich achten muss, sonst kann ich meine Ziele nicht erreichen oder nicht für andere da sein kann, die mich brauchen.

Schaltet auch mal ab. Ziele und Träume zu verfolgen, kann ganz schön anstrengend sein. Gönnt euch eine Auszeit für Körper, Geist und Seele, wenn es nötig ist, und konzentriert euch auf Aktivitäten, die Spaß machen, entspannend sind und sich positiv auf eure Gesundheit auswirken.

Es ist in Ordnung, um Hilfe zu bitten. Wenn ihr Probleme habt, wenn ihr Unterstützung braucht, wenn euch nur noch ein winziges Puzzleteilchen zu eurer großen Idee fehlt, wenn Hilfe einen Prozess optimiert oder anderen ein Erfolgserlebnis oder Freude beschert, dann fragt einfach danach! Kommunikation ist eines der wirkungsvollsten Instrumente, die wir Menschen haben.

Letztendlich solltet ihr es immer auf einen Versuch ankommen lassen. Woher sollen wir wissen, zu was wir alles fähig sind, wenn wir es vorher nicht versucht haben?